Reparaturkosten nach unverschuldetem Unfall

„Unvernünftig“ hohe Reparaturkosten für das geliebte Rennrad ?

 

Das seit Jahren gehegte und gepflegte Rennrad wurde bei einem unverschuldeten Unfall stark beschädigt. Der Geschädigte möchte das Rad reparieren lassen, obwohl die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert (Wert eines gleichartigen unbeschädigten Fahrrades) um mehr als 30 % übersteigen. Muss der Unfallverursacher diese Reparaturkosten zahlen oder nur den ,niedrigeren, Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert?

Wie sieht die Regelung bei beschädigten Pkw aus?

 

Im Normalfall muss der Unfallverursacher dem Geschädigten nur den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwertes erstatten. Der Bundesgerichtshof hat jedoch für PKW entschieden, dass der Geschädigte ausnahmsweise Reparaturkosten in Höhe von bis zu 30 % über dem Wiederbeschaffungswert verlangen kann. Der Restwert bleibt bei der Berechnung unberücksichtigt. Begründet wird dies damit, dass der PKW in seiner konkreten Zusammensetzung und nicht nur dem Wert nach erhalten bleibt. D. h., der Geschädigte kann für einen ihm besonders ans Herz gewachsenen PKW auch dann die Reparaturkosten ersetzt verlangen, wenn eine solche Reparatur wirtschaftlich eigentlich unvernünftig ist. Voraussetzung ist jedoch. dass der PKW nach den Vorgaben eines Sachverständigengutachtens auch tatsächlich repariert wird. Eine Teilreparatur reicht nicht aus.

Gilt die 130 % Rechtsprechung auch für Fahrräder?

 

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts München ja. (Urteil vom 16.11.2018, 10 U 1885/18)

 

Im vorliegenden Fall hat ein geschädigter Rennradfahrer vom Unfallverursacher Reparaturkosten in Höhe von 3.892,85 €  für sein beschädigtes Carbonrennrad verlangt. Nach den Feststellungen eines Sachverständigen betrug der Wiederbeschaffungswert unter Berücksichtigung des guten Pflegezustandes 1.447,60 € und der Restwert 28 €. Die Reparaturkosten überstiegen somit den Wiederbeschaffungswert um mehr als 30 %.( 1.447,60 € zzgl. 30 % = 1.881,88 €)

 

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts München hat der geschädigte Rennradfahrer keinen Anspruch auf die verlangten Reparaturkosten in Höhe von 3.892,85 €, sondern lediglich auf Erstattung des Widerbeschaffungswertes abzgl. Restwert, also 1.419,60 €. Es sei kein Grund ersichtlich, aus dem die vom BGH entwickelte und allgemein anerkannte 130 % Regel für Fahrräder nicht anwendbar sein sollte. Den Einwand des Geschädigten, ihm könne der Kauf eines gebrauchten Carbonrennrades nicht zugemutet werden, da er als Laie eventuelle Schäden nicht erkennen könne, ließ das Gericht nicht gelten. Dieses Risiko müsse auch jeder geschädigte PKW Fahrer tragen, der sich nach einem wirtschaftlichen Totalschaden auf dem Gebrauchtwagenmarkt einen PKW kauft.

 

Ein Geschädigter Rennradfahrer kann daher ebenso wie der geschädigte PKW- Fahrer, höchsten Reparaturkosten in Höhe von 30 % über dem Wiederbeschaffungswert verlangen, wenn er das Rennrad reparieren lässt. Ansonsten gibt es nur den Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert, egal wie heiß geliebt der Renner war. Im vom OLG München zu entscheidenden Fall also 1.419,60 € statt der geforderten 3.892,85 €.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0